
Eigene Erfahrungen der Klangmassage:
Klangwellen breiten sich aus, lassen mich durch die vielen
verschiedenen Töne eintauchen in die Stille - bei mir ankommen, da
sein, leer sein - alles ist in Ordnung und gut wie es ist. Die
Schwingungen der Schalen dringen in mich ein und durch mich hindurch.
Die Gedanken kommen zur Ruhe und lösen sich auf wie eine Welle am
Strand. Ruhe, Stille, nur das "entfernte Rauschen des Ozeans" ist noch
wahrnehmbar.
Erfahrung eines Klienten von mir:
Ehe ich mich hinlegen darf, muss ich Verantwortung für mich selbst
übernehmen. Ich unterschreibe, dass ich mich einer Behandlung
unterziehen werde, die nicht auf eine konkrete Behandlung von Problemen
ziele, aber häufig die Ursachen löse. "Für die Behandlung von
körperlichen und psychischen Problemen ist nur der Facharzt zuständig."
Isabella erkundigt sich nach körperlichen Beschwerden, nach meiner
Verfassung, und trägt meine Antworten in ihr Klientenblatt ein.
Dann darf ich mich auf die Matten legen. Ich werde eine
klassische Klangmassage erhalten und dabei erst auf dem Bauch liegen
und später auf dem Rücken. Schon als Isabella mich mit einer weichen
Decke zudeckt, lässt die Unruhe über die ungewohnte Situation nach. Mit
ruhigen Bewegungen holt sie die schweren, kupfern schimmernden Schalen
unterschiedlicher Größen aus dem Regal und platziert sie rings um mich.
Wenn alles stimmt, was ich gehört und gelesen habe, dann werde ich in
Kürze Alltagsstress, Verspannungen und Blockaden loslassen und in
tiefer Entspannung ein positives und freies Körperbewusstsein erleben.
Mal sehen. Ich schließe die Augen.
Ich höre die erste Klangschale in der Nähe meines Kopfes
erklingen, und ihr Ton breitet sich um mich und in mir aus wie Milch,
die man in Wasser gießt. Dann beklangt Isabella meine beiden Fußsohlen.
Von meiner linken Sohle wandern mit jedem Anklopfen der Klangschale
leichte, wohl tuende Vibrationen in meinen Körper. Dann stellt sie eine
große Schale auf meinen Rücken, zwischen die Schulterblätter. Ich bin
erstaunt, wie leicht die schwere Schale auf mir ruht. Angeschlagen
verbreitet sie weiche breite Wellen durch meinen Oberkörper, der sich
plötzlich anfühlt wie ein Wasserspiegel, in den jemand einen Stein
geworfen hat. Unerwartet kommen mir die Tränen. Ich weine, ohne zu
wissen, warum. Ich fühle mich wohl und ich weine. Meine Männlichkeit
spielt gerade keine Rolle, ich darf das. Immer mehr Klangschalen setzen
Körper und Seele in Schwingung: auf dem oberen und unteren Rücken, in
den Kniekehlen, auf den Fußsohlen und neben mir im Raum. Wie Ebbe und
Flut umspülen und durchspülen mich die Klangwellen ohne Unterlass,
schwellen an und verklingen, erklingen und ebben ab, ein Tongeäst,
durch das Stille scheint. Meine Tränen sind längst versiegt in einem
zeitlosen Wohlbefinden. Ich lausche den Vibrationen, die ich immer mehr
in mir als um mich herum finde. Die Gedanken wandern, Traumgestalten
tauchen auf. Allmählich stellt sich ein meditativer Zustand ein, denn
mit jedem neuen Anschlag einer Klangschale kehrt man in die Gegenwart
zurück. Jeder vibrierende Ton verbindet Wahrnehmung und Gefühl zu einer
harmonischen Einheit. Das ist es wohl, was Isabella meinte, als sie
vorhin sagte, "Klangmassagen wecken das Urvertrauen im Menschen".
Plötzlich ist eine dreiviertel Stunde vergangen. Eine
leise Stimme neben mir sagt: "Ich lasse Dich jetzt fünf Minuten allein.
So kannst Du gemütlich in den Alltag zurückkehren." Die fünf Minuten
verfliegen wie Sekunden. Wir unterhalten uns noch ein wenig. Isabella
erzählt, nach fernöstlicher Vorstellung sei der Mensch aus Klang
entstanden. Dabei erinnere ich mich an das heilige Buch des Westens mit
dem Satz: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott
war das Wort." |
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